
Immer unterwegs: Arbeitsschutz in mobilen Käsereien
Mobile Käsereien sind ein wachsender Trend in der Lebensmittelproduktion – flexibel, lokal und oft besonders nachhaltig. Doch diese Flexibilität bringt auch besondere Herausforderungen im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz mit sich.
In den vergangenen Jahren hat sich eine kleine und besondere Branche der BGN entwickelt: mobile Käsereien. Normalerweise wird die Milch der Landwirte direkt in große Molkereien geliefert, dort weiterverarbeitet und vermarktet. Doch schwankende Milchpreise und steigende Betriebsausgaben stellen landwirtschaftliche Betriebe vor immer höhere betriebswirtschaftliche Herausforderungen. Mobile Käsereien bieten die Möglichkeit, schnell und unkompliziert selbst in die Milchverarbeitung einzusteigen und die Käseherstellung in die eigene Hand zu nehmen. Der Käse wird dann auf Märkten oder in Hofläden verkauft.
Mit gerade mal elf Betrieben deutschlandweit, von denen keiner mehr als fünf Vollbeschäftigte hat, handelt es sich um eine der kleinsten Branchen der BGN – dafür zugeschnittene Unterstützungsangebote gibt es bisher nicht. Wo aber liegen die besonderen Herausforderungen bezüglich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes?

Die beengten Räumlichkeiten sind gerade in Bezug auf den Arbeitsschutz herausfordernd – umso wichtiger ist eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung.

In einer mobilen Käserei wird die Milch der Landwirte vor Ort verarbeitet. Das bietet Landwirten die Möglichkeit, selbst in die Käseherstellung und Vermarktung einzusteigen.
Sicherheit auf engstem Raum
Das Grundkonzept der mobilen Käsereien liegt darin, die Milch von Landwirten direkt in einer mobilen Arbeitsstätte zu Käse zu verarbeiten. Dieser lagert und reift dann teilweise beim Landwirt selbst, manche der mobilen Käsereien haben auch entsprechende Reifelager. Eine solche mobile Herstellungsstätte für Käse gibt es nicht von der Stange zu kaufen. Also bauen Unternehmer in aller Regel selbst Anhänger oder Lkws entsprechend um. In einem so engen Produktionsbereich ist es nicht einfach, auch noch den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu beachten. Daher ist eine gewissenhaft durchgeführte Gefährdungsbeurteilung bereits bei der Planung umso wichtiger.
Es lohnt sich, bereits in der Planungsphase auf folgende Dinge zu achten:
- Geeignete elektrische Installation: Hier sollte man immer auf die professionelle Unterstützung von Fachfirmen zurückgreifen. Aufgrund der Feuchtigkeit und der Reinigungstätigkeiten wird für mobile Käsereien die Schutzart IPX6 (Schutz gegen starkes Strahlwasser) empfohlen. Auch die fachgerechte Installation geeigneter Energiequellen (häufig Heizöl, Diesel oder Strom) zur Erhitzung ist professionell durchzuführen, um die Brand- und Verletzungsgefahr zu minimieren. Hinzu kommen die entsprechend benötigte Prüfung vor Inbetriebnahme und dann wiederkehrende Prüfungen, insbesondere die Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3.
- Ausreichend dimensionierte Lüftung: Diese ist erforderlich wegen der hohen Reinigungstemperaturen und der Feuchtigkeit im Rauminneren. So können im Sommer die körperliche Belastung und im Winter gesundheitliche Probleme deutlich minimiert werden.
- Trittsicherer Fußboden mit empfohlener Rutschhemmung R12, um SRS-Unfälle (Stolpern, Rutschen, Stürzen) zu vermeiden.
- Sicherer Zugang zum Produktionsbereich: Durch die Höhe der Eingänge besteht die Gefahr des Absturzes nach außen, wenn die Zugangstüren nicht ausreichend gesichert sind. Eine zusätzliche Gefahr stellen die innen liegenden Stufen dar, die im Betrieb schnell mal übersehen werden. Sie werden meist mit einem Rost abgedeckt. Als Alternative werden gern Einhängeleitern als Zugang genutzt. Sie sind aber je nach Untergrund leider oft wackelig und instabil und müssen auf jeden Fall an den Untergrund angepasst werden.
- Ausrutschen und Stürzen verhindern durch geeignete Schuhe (guter Halt, rutschfeste Sohlen) und rutschfeste Tritte.
- Sicherer Umgang mit Reinigungsmitteln: Aufgrund der hohen hygienischen Anforderungen wird in mobilen Käsereien viel Reinigungsmittel eingesetzt – meistens sowohl säure- als auch laugenhaltige Reiniger, die als Gefahrstoffe eingestuft sind. Zusätzlich zur Reinigung nach der Produktion werden während des gesamten Produktionsprozesses immer wieder Reinigungstätigkeiten durchgeführt. Dabei müssen die Reinigungsmittel selbstverständlich sicher dosiert und – insbesondere während der Fahrt – sicher aufbewahrt werden (etwa durch Dosierpumpe oder Auslasshahn sowie getrennte Rückhalteeinrichtungen für Säure und Lauge). Außerdem muss geeignete Schutzausrüstung wie Schutzbrille und Chemikalienschutzhandschuhe vorhanden sein und getragen werden. In mobilen Käsereien gibt es außerdem häufig nur heißes Wasser mit mindestens 60 Grad Celsius. Weil das zur Augenspülung im Notfall ungeeignet ist, muss auf andere Augenspülmöglichkeiten ausgewichen werden können.
- Die Haut schützen: Durch hohe Feuchtigkeit, hygienische Anforderungen und Handarbeit im feuchten Milieu sind besonders die Hände bei der Arbeit in einer mobilen Käserei hohen Belastungen ausgesetzt. Das Thema Feuchtarbeit und die damit eventuell verbundene arbeitsmedizinische Vorsorge sind daher in der Gefährdungsbeurteilung zu bewerten und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Ein Hautschutzplan mit den zur Verfügung zu stellenden Hautschutz- und Hautpflegemitteln ist hier dringend empfohlen.

Mit gerade mal elf Betrieben deutschlandweit, von denen keiner mehr als fünf Vollbeschäftigte hat, sind mobile Käsereien eine der kleinsten Branchen der BGN.

Immer unterwegs und arbeiten in engen, häufig in Eigenregie umgebauten Anhängern: Hier gibt es andere Gefährdungen als in stationären Arbeitsstätten.
Ständig auf Achse
Doch nicht nur die Gestaltung des Produktionsbereichs selbst spielt für das sichere und gesunde Arbeiten in mobilen Käsereien eine große Rolle. Sie sind ständig unterwegs – daher müssen insbesondere die Fahrt zu den Landwirten, die Situation auf den Höfen und die Notfallorganisation aufgrund von Alleinarbeit zusätzlich im Fokus stehen.
Neben der obligatorischen Hauptuntersuchung und UVV-Prüfung des Fahrzeugs ist auch auf die Ladungssicherung ein besonderes Augenmerk zu legen. Die Ladung sowie damit das gesamte Equipment im Produktionsraum müssen vor Verrutschen, Wegrollen, Umfallen sowie Herabfallen von Gegenständen gesichert sein. Nach der meist in den frühen Morgenstunden stattfindenden Fahrt zum Landwirt muss das Fahrzeug für die Produktion gesichert werden. Unterschiedliche Witterungsverhältnisse und Bodenverhältnisse sind dabei jedes Mal neu zu bewerten und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Besteht Rutschgefahr durch Eis, sollte Streusalz oder Sand gestreut werden.
Das Beispiel von mobilen Käsereien zeigt, dass bei mobilen Arbeitsstätten einige Gefährdungen betrachtet werden müssen, die in stationären Arbeitsstätten nicht vorhanden sind. Dies betrifft insbesondere den – häufig in Eigenregie erfolgenden – Bau solcher Arbeitsstätten sowie Gefährdungen, die mit der Fahrt und den unterschiedlichen Stellplätzen zu tun haben. Auch wenn es seitens der BGN bislang keine für diesen Fall zugeschnittenen Praxishilfen gibt: Zu vielen dieser Themen finden sich Informationen für andere Branchen, die sich auf die eigene Situation übertragen lassen.

Mir gefällt meine Unabhängigkeit und die Arbeit in der Natur.
Nachgefragt
Caroline Kleis ist eine der wenigen mobilen Käserinnen in Deutschland und betreibt im Saarland seit 2024 die „Mobile KäSaarei“. Mit ihrem umgebauten Anhänger fährt sie täglich zu unterschiedlichen Kunden und produziert vor Ort Käsesorten wie Tilsiter, Gouda, halbfesten Schnittkäse mit Kräutern, Chili, Pfeffer und Knoblauch sowie Hartkäse.
Frau Kleis, wie wurden Sie mobile Käserin?
Durch einen Minijob in einem Milchviehbetrieb, in dem ich übrigens noch heute als Melkerin arbeite. Es hat mich schon immer interessiert, aus selbst gewonnener Milch eigenen Käse herzustellen. In Kombination mit meiner Unzufriedenheit im damaligen Job habe ich mich dann zur Gründung der mobilen Käserei entschlossen. Mobil zu arbeiten war für mich die beste Lösung, weil ich selbst keinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb habe.
Was reizt Sie besonders bei Ihrer Arbeit?
Dass ich mit meinen Händen selbst etwas herstelle. Und wenn das dann noch ein so tolles Produkt wie mein Käse ist, befriedigt das sehr. Die eigentliche Herausforderung der mobilen Lohnkäserei ist mit Sicherheit, dass ich von jedem Betrieb eine andere Milch bekomme. Diese hat jedes Mal eine andere Zusammensetzung, die etwa von der Fütterung, der Jahreszeit und dem Wohlbefinden der Tiere abhängt. Das alles muss ich beim Käsen beachten und den Prozess individuell darauf abstimmen. Das ist sehr spannend. Mir gefällt außerdem die Arbeit in der Natur, meine Unabhängigkeit; ich komme viel herum und lerne ständig neue Leute kennen.
Ihr Arbeitsalltag ist aber sicherlich nicht nur idyllisch.
Nein, da haben Sie absolut recht. Die Arbeit an sich ist sehr zeitintensiv, teilweise körperlich anstrengend und endet nicht mit dem Verkäsen. Nach einem Käseeinsatz stehen noch die Käsepflege im Keller sowie die Reinigung des Anhängers an, sodass meine Arbeitstage oft zwölf Stunden und länger dauern.
Sie haben Ihren Arbeitsplatz ja immer dabei. Haben Sie Ihren Anhänger selbst umgebaut oder umbauen lassen?
Ich habe einige Praktika in anderen mobilen Käsereien gemacht und mich schon im Vorfeld beim zuständigen Veterinäramt über die Vorgaben und Richtlinien für den Ausbau informiert, sodass ich glücklicherweise wusste, worauf es ankommt. Der eigentliche Umbau erfolgte dann durch viel Eigenarbeit von mir und meinem Lebensgefährten, aber natürlich auch mithilfe von Fachfirmen.
Gab es beim Thema Arbeitssicherheit oder Gesundheitsschutz etwas, das Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit unterschätzt haben?
Ja, tatsächlich. Wir hatten anfangs keine effektive Lüftungsmöglichkeit außer der Tür im Eingangsbereich des Anhängers. Dies hat bei einer Produktionstemperatur von oft 40 Grad und mehr nicht ausgereicht, um die Luftfeuchtigkeit auf so engem Raum zu regulieren. Außerdem wurde es im Winter sehr kalt, und das war wiederum schlecht für die Produktion. Der Winter war generell ein Problem, da die Wasserleitungen oft zufroren und man sich auch erst einmal „warm arbeiten“ musste. Ich habe dann nachträglich noch ein Fenster, eine Standheizung und Insektenschutz an Fenstern und Türen einbauen lassen. Jetzt kann ich gerade im Sommer alles offen stehen lassen und habe dann das Gefühl, „open air“ zu arbeiten – das ist toll.
Wo holen Sie sich Unterstützung in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz – und was würden Sie sich speziell für mobile Käsereien wünschen?
Tatsächlich würde ich behaupten, dass ich beim Thema Arbeitsschutz ganz gut aufgestellt und informiert bin. Ich weiß auch, dass ich mich bei Fragen jederzeit an die BGN wenden könnte. Wünschen würde ich mir speziell für unsere Branche jedoch ein größeres Angebot an praxisnahen Schulungen im Bereich Hygiene und Reinigung – da lernt man ja nie aus.
Mehr zum Thema mobile Arbeitsstätten:
- Handlungshilfe „Verkaufsfahrzeuge“Handlungshilfe „Verkaufsfahrzeuge“
- BGN-Branchenwissen „Lebensmittelhygiene“
- Arbeitssicherheitsinformation (ASI) 7.20 „Dienstfahrten mit Pkw und Kleintransporter“
- Arbeitssicherheitsinformation (ASI) 3.10 „Elektrischer Strom – Gefahren und Schutzmaßnahmen“
- Arbeitssicherheitsinformation (ASI) 8.05 „Reizende und ätzende Stoffe“


