
Tradition und Sicherheit: Arbeitsschutz in der Kaffeerösterei
Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, als Jörg Bischof die eiserne Schaufel in die Röstmaschine schiebt. Die Bohnen knistern leise – der sogenannte „First Crack“. Der Röstmeister hört und sieht genau, wie weit der Röstprozess fortgeschritten ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet er an dieser Maschine. Sie stammt aus den 1950er-Jahren, ist aus massivem Gusseisen gefertigt und verlangt ihren Bedienenden vor allem eins ab: viel Erfahrung. Für einen sicheren Betrieb braucht es außerdem die richtigen Schutzmaßnahmen.
In der Privat-Kaffee-Rösterei Mohrbacher, einem Familienbetrieb in dritter Generation, setzt man seit über 100 Jahren auf Tradition. Das funktioniert nur, wenn die Geräte so gepflegt und gestaltet werden, dass alle Beschäftigten sicher arbeiten können.
Ältere Maschinen: keine Abstriche in Sachen Sicherheit
Viele Betriebe stehen vor der Frage: Investiere ich in neue Maschinen oder gestalte ich Bewährtes sicher und mache es damit weiter nutzbar? Für die BGN ist klar: Beides ist möglich. „Maschinen wurden früher unter niedrigeren Sicherheitsstandards hergestellt als heute. Der Proberöster hatte beispielsweise bewegliche, offene Riemen an einer Außenkante. Stellen, an denen Finger eingeklemmt oder gequetscht werden konnten, wurden mit einer Verkleidung gesichert“, erklärt Aufsichtsperson Frank Dietrich. So stellen auch alte Maschinen kein Sicherheitsrisiko dar – vorausgesetzt, sie werden regelmäßig überprüft, gewartet und mit den richtigen Schutzvorrichtungen versehen. Gerade in kleinen Betrieben, in denen Investitionen gut überlegt sein müssen, kann dieser Ansatz nachhaltig und damit wirtschaftlich sein. Arbeitsschutz wird so zum Schlüssel, um Tradition zu bewahren, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen.
Ein langer Weg: von der Bohne zum Kaffeegenuss
Kaffee wird in Deutschland schon seit über 350 Jahren geschätzt. Im Schnitt trinken die Deutschen vier Tassen täglich. Doch erst die Röstung verleiht dem Rohprodukt seinen charakteristischen Geschmack. Der Weg der Bohne von der Anlieferung bis in die Tassen der Kundinnen und Kunden erfordert Beharrlichkeit, Expertise, alle Sinne – und Know-how in Sachen Sicherheit.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee: „Der erste Schritt nach der Anlieferung ist die Begutachtung des Rohkaffees“, sagt Röstmeister Jörg Bischof. „Wir prüfen Frische, Farbe, Größe und vor allem, wie sich die Bohnen beim Rösten verhalten.“
Anlieferung: Schwerstarbeit mit Säcken
Ein Kaffeesack, der von den Importeuren zur Rösterei geliefert wird, wiegt bis zu 70 Kilogramm. Mit Hubwagen und Sackkarren, aber auch mit Muskelkraft wird der Rohkaffee auf seinen Platz im Lagerraum gebracht. Im Jahr produziert der Traditionsbetrieb in Ludwigshafen am Rhein zwischen 120 und 150 Tonnen Kaffee. Wer schwere Lasten hebt, trägt und festhält, setzt sich einem größeren Risiko für Rückenerkrankungen und Verletzungen aus. Diese Belastungen müssen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt und dokumentiert werden – ebenso wie die passenden Vorgehensweisen, mit denen sich die Belastungen so weit wie möglich verringern lassen.
Dazu gehören beispielsweise Hebe- und Transporthilfen oder rückenschonende Arbeitstechniken wie das Tragen von Lasten nah am Körper und das Heben mit geradem Rücken. Ausgleichsübungen, möglichst kurze Wege oder auch sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen abzuwechseln, sind weitere Möglichkeiten, sich und andere vor möglichen Gefährdungen durch das Transportieren von schweren Lasten zu schützen.
Expertenwissen: Arabica-Röstung
Arabica-Bohnen enthalten weniger Chlorogensäure als Robusta. Beim Rösten entstehen ab etwa 200 Grad vermehrt Acrylamidverbindungen, die gesundheitsschädlich sein können. Deshalb setzen viele Röstereien auf schonende Langröstverfahren mit niedrigeren Temperaturen.
Proberösten: Nur geschultes Personal darf an die Maschine
„Der erste Schritt nach der Anlieferung ist die Begutachtung des Rohkaffees“, sagt Röstmeister Jörg Bischof. „Wir prüfen Frische, Farbe, Größe und vor allem, wie sich die Bohnen beim Rösten verhalten.“ Dabei kommt eine alte Proberöstmaschine zum Einsatz, aus der er immer wieder Proben zieht und das Röstbild begutachtet.
An dieser Maschine darf nur geschultes, erfahrenes und unterwiesenes Personal arbeiten. Jörg Bischof ist mit 40 Jahren in die elterliche Rösterei eingestiegen. Sieben Jahre lang schaute er seinem Vater bei der Arbeit zu, erst dann durfte er – zunächst unter Aufsicht – selbst die Röstmaschine bedienen. Das Risiko: Der alte Proberöster hat – wie eingangs beschrieben – bewegliche Riemen an einer Außenkante, die mit einer entsprechenden Verkleidung gesichert sein muss. Regelmäßig wird hier alles geprüft, gewartet und gereinigt.

Beim Rösten verlässt sich Röstmeister Bischof nicht auf Computerprogramme, sondern auf seine Sinne. Hier zieht er Proben an der über 70 Jahre alten Probat-Trommelröstmaschine, in der Farbe und Aroma des Kaffees entstehen.
Rösten: Hitze, Staub, Feuer
Das Herzstück der Rösterei ist eine über 70 Jahre alte Probat-Trommelröstmaschine. „Sie hat einen 45-Kilo-Trommelröster und wird mit Erdgas beheizt“, erklärt Geschäftsführerin Katja Müller-Altmann. „Sie läuft konstant bei 180 bis 200 Grad und besteht aus massivem Gusseisen. So hält sie die Wärme perfekt.“ Dadurch entstehen Farbe und Aroma des Kaffees. Beim Rösten verlässt sich Röstmeister Bischof nicht auf Computerprogramme, sondern auf seine Sinne. „Ich mache alles von Hand und röste nach meiner Erfahrung. Es ist eine unheimlich große Bestätigung, wenn man das Endprodukt dann sieht“, sagt er und füllt die frisch gerösteten Bohnen in Bottiche um. Nach dem Rösten werden die Silberhäutchen, die den Rohkaffee umschließen, aus dem Zyklon entfernt. Jeden Tag wird die Anlage gründlich gereinigt. „Das ist wichtig, damit weder Staubbrände noch Staubexplosionen entstehen“, so Jörg Bischof. „Natürlich stehen für die Bekämpfung möglicher Brände geeignete Feuerlöscher bereit.“
Handverlesen am Fließband: Monotonie vermeiden
Nach dem Rösten sortieren Mitarbeiterinnen die Bohnen von Hand: zu helle, zu dunkle sowie Fremdkörper werden aussortiert. Eine monotone, aber für die Qualität entscheidende Tätigkeit. Bei monotonen Tätigkeiten kommt es generell darauf an, nicht innerlich abzuschalten oder in die Müdigkeit abzudriften. Regelmäßige Pausen und Abwechslung schaffen Abhilfe. Zusätzlich helfen Ausgleichsübungen und ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze dabei, Zwangshaltungen vorzubeugen, die langfristig körperliche Beschwerden verursachen könnten. In der Rösterei gibt es geeignete Sitzmöglichkeiten und einen gut ausgeleuchteten Arbeitsplatz.

Monoton, aber für die Qualität entscheidend: In der Privat-Kaffee-Rösterei Mohrbacher werden die Bohnen noch per Hand verlesen. Zu helle und zu dunkle Bohnen werden ebenso aussortiert wie Fremdkörper.
Tradition? Mit Sicherheit!
Die Privat-Kaffee-Rösterei Mohrbacher ist ein Beispiel dafür, dass Tradition und Arbeitsschutz kein Widerspruch sind, sondern Hand in Hand gehen können. Alte Maschinen laufen weiter, wenn Betriebe sie so umgerüstet haben, dass die Risiken beseitigt sind. Was bleibt, ist mehr als aromatischer Kaffee. „Am schönsten ist es, wenn der Laden voll ist und eine gute Stimmung herrscht“, sagt Geschäftsführerin Müller-Altmann. Mehr als 20 Sorten werden bei Mohrbacher verkauft. Müller-Altmann füllt den Kaffee mit einer Abwiegeschaufel ab und reicht das Päckchen einer Kundin. Der Vintage-Look, altbewährte Arbeitsmittel, die langjährige Erfahrung der Beschäftigten und die Liebe zum Kaffee – das macht die Rösterei in Ludwigshafen aus. Und gelebter Arbeitsschutz sorgt dafür, dass diese Tradition auch in Zukunft Bestand hat.
Jörg Bischof und Katja Müller-Altmann wissen, was ein guter Kaffee braucht.
Rösten mit allen Sinnen
- Wichtig ist, dass die Beschäftigten wissen, wie sie sich schützen können. Dafür hat die BGN zum Beispiel verschiedene sogenannte Unterweisungskurzgespräche zum Thema Transport, Heben und Tragen entwickelt. Sie sind bildgestützt und auch ohne viele Worte verständlich. Weitere Praxishilfen, Grenzwerte und Informationen enthält die BGN-Themenseite „Ergonomie: Heben und Tragen“.
- Die regelmäßige Reinigung und Wartung von Maschinen und Anlagen sind Pflicht. In der Kaffeerösterei Mohrbacher wird die Anlage jährlich von einer externen Fachfirma sowie vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger im Hinblick auf die Emissionen überprüft. Wichtig ist außerdem, alles zu dokumentieren. Beispiele Prüf- und Kontrollfristen von Geräten und Arbeitsmitteln haben wir online zusammengestellt.
- Fragen zum Thema Arbeitssicherheit und Technik? Kontaktieren Sie Ihre zuständige Aufsichtsperson – die BGN hilft Ihnen weiter.
| Was hochwertigen Kaffee ausmacht, verrät Jörg Bischof in einem kurzen Video auf TikTok. |


