Deckenabsorber
Raumakustik: Wie Schallabsorber in Verkaufsfilialen Lärm senken

Verständlichkeit verbessern, Stress reduzieren

Ein zu hoher Schallpegel erschwert Kundengespräche und belastet das Verkaufspersonal. Gerade in Verkaufsfilialen kann dauerhafter Lärm, etwa durch mehrere gleichzeitig stattfindende Kundengespräche, bei den Beschäftigten zu Stress und gesundheitlichen Beschwerden führen. Wie sich dieser Teufelskreis durch gezielte akustische Maßnahmen durchbrechen lässt, zeigt ein Praxisbeispiel aus der Fleischwirtschaft.

Viele Metzgereifilialen sind ähnlich gestaltet: eine große Fensterfront mit Eingangstür zur Straße, im Innenraum eine gläsern abgedeckte Wurst- und Fleischtheke sowie geflieste Böden und Wände. Was aus hygienischer Sicht sinnvoll ist, erweist sich akustisch als nachteilig. Schallharte Materialien wie Fliesen, Glas und Metall absorbieren kaum Schall, sondern reflektieren ihn nahezu vollständig.

Vor allem zu Stoßzeiten, wenn mehrere Kundengespräche gleichzeitig stattfinden, steigt der Schallpegel deutlich an. Die Sprachverständlichkeit nimmt ab, Gespräche werden noch lauter geführt – beides verstärkt sich gegenseitig. Dieses Phänomen bezeichnen Fachleute für Akustik als Theaterfoyer- oder Lombard-Effekt. Ein Teufelskreis entsteht, der insbesondere das Verkaufspersonal über längere Zeit stark belastet.

Schallpegelmessung durch die BGN

Wie sich dieser Teufelskreis im Arbeitsalltag auswirkt, beschreibt Gabriele Weinzierl, Geschäftsführerin und Inhaberin der Metzgerei Brunner in Landshut: „Man versteht sein eigenes Wort kaum noch und am Abend ist man völlig ausgelaugt und erschlagen“, berichtet sie. „Mir war klar, hier muss etwas getan werden. Da fiel mir die BGN als Ansprechpartner ein, die uns bereits in einer anderen Angelegenheit geholfen hatte.“

Nach einem ersten Informationsgespräch führte eine Aufsichtsperson gemeinsam mit dem messtechnischen Dienst der BGN eine Schallpegelmessung in der Filiale durch. Die Messung ergab einen A-bewerteten Mittelungspegel von 70 dB(A). Im Vergleich zu industriellen Lärmbereichen liegt dieser Wert zwar unterhalb der Auslösewerte gemäß der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, für den Verkaufsbereich gelten jedoch noch andere Maßstäbe.

Nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.7 „Lärm“ werden Verkaufsgespräche, wie sie in einer Metzgereifiliale stattfinden, der Kategorie 2 zugeordnet. Solche Tätigkeiten erfordern eine mittlere Konzentration und Sprachverständlichkeit, weshalb der Mittelungs-Schallpegel den Wert von 70 dB(A) nicht überschreiten sollte. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Kundengespräche gelten als informationshaltige Geräusche. Dafür ist ein Zuschlag von 3 dB(A) hinzurechnen – damit ist der Wert für Tätigkeiten der Kategorie 2 überschritten.

Schallabsorbierende Flächen notwendig

Parallel zu der Messung wurde die Filiale auch hinsichtlich der Schallreflexion untersucht. Wie in vielen Metzgereifilialen dominieren schallharte Materialien wie Fliesen, Glas und Metall. Diese reflektieren den Schall und verstärken dadurch zusätzlich den Geräuschpegel im Raum.

Aus den Messergebnissen und der Analyse der Raumakustik ergab sich ein klarer Handlungsbedarf zur Lärmminderung. Es war schnell klar, dass schallabsorbierende Flächen erforderlich sind – und dass deren Auswahl und Platzierung entscheidend für eine Lärmminderung sind.

Deckenabsorber und Absorberbaffeln im oberen Bereich der Fensterfront
Ruhe von oben: Deckenabsorber schlucken Schall gezielt im Sprachbereich – so sinkt der Lärmpegel und Gespräche bleiben auch bei hoher Kundenfrequenz gut verständlich.

Dabei standen zwei Punkte im Fokus: 

  1. Das richtige Material: Die schallabsorbierenden Elemente müssen so beschaffen sein, dass sie insbesondere die Pegel im mittleren Frequenzbereich wirksam dämpfen. In diesem Bereich findet der größte Teil der Sprachverständigung statt – und genau hier entscheidet sich, ob Gespräche verständlich bleiben oder im Lärm untergehen.
     
  2. Die fachgerechte Anbringung: Ebenso wichtig wie das Material selbst ist dessen Positionierung. Der Abstand zwischen schallreflektierenden Flächen wie Wänden, Fenstern oder Fliesen und der schallabsorbierenden Fläche muss zur jeweiligen Frequenz passen, um die Schallenergie effektiv zu reduzieren.

Hier muss der Profi ran

Mit diesen Erkenntnissen beauftragte Gabriele Weinzierl ein regionales Akustik­bau­unter­nehmen. In der Filiale wurden schallabsorbierende Elemente an der Decke sowie im oberen Bereich der Fensterfront angebracht. 

Nach dem Einbau der Schallabsorber führte die BGN unter vergleichbaren Bedingungen erneut eine Lärmmessung durch. Der A-bewertete Mittelungspegel lag nun bei 66 dB(A). Gegenüber dem Ausgangswert bedeutet das eine Reduktion von 4 dB(A).

Was auf den ersten Blick nach wenig klingen mag, hat eine deutliche Wirkung: Die erzielte Pegelminderung bedeutet, dass bei vergleichbarer Quellenstärke etwa die Hälfte der erzeugten Schallenergie absorbiert werden konnte – ein beachtlicher Erfolg. Damit wurde nicht nur eine messbare Verbesserung erreicht, sondern auch eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag.

Das bestätigt sich auch in der subjektiven Wahrnehmung der Beschäftigten. Geschäftsführerin Gabriele Weinzierl und ihre Metzgereifachverkäuferinnen berichten übereinstimmend, dass der Einbau von Schallabsorbern die Sprachverständlichkeit in der Filiale wesentlich verbessert hat. Kundengespräche können wieder in normaler Lautstärke geführt werden, ohne dass sich der Geräuschpegel gegenseitig hochschaukelt. Das wiederum wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden des Verkaufspersonals aus – der Teufelskreis ist durchbrochen.