BGN Branchentagung 2025
Fachkräftemangel, Resilienz und Bürokratieabbau im Fokus

3. BGN-Branchentagung 2025

Mehr als 760 Unternehmer, Arbeitsschutzexperten und Versicherte kamen im November zur dritten BGN-Branchentagung zusammen. Unter dem Leitmotiv „Fachkräftemangel, Krisenresilienz und Bürokratieabbau“ bot die Onlineveranstaltung aus dem BGN-Studio in Mannheim einen intensiven Austausch über die Herausforderungen und Lösungsansätze für die Arbeitswelt von morgen.

Fachkräftemangel: Arbeitsbedingungen als Schlüssel

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bleibt eine der größten Herausforderungen für Unternehmen. Dr. Ruth Klüser vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) präsentierte aktuelle Daten aus dem Risikoobservatorium der DGUV und zeigte die enge Verflechtung von Fachkräftemangel, demografischem Wandel, Digitalisierung und Migration. Ihr Fazit: Gute Arbeitsbedingungen sind längst ein entscheidender Standortfaktor – eine Einschätzung, die auch Peer-Oliver Villwock vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) teilte.

Integration und Inklusion als Zukunftsstrategie

Die Tagung machte deutlich: Ohne internationale Fachkräfte und gezielte Ausbildungsförderung für junge Menschen aus dem Ausland wird die Lücke nicht zu schließen sein. Praxisbeispiele zeigten, wie Vielfalt gelingen kann: Die AlsterFood GmbH beschäftigt Menschen aus 53 Nationen und setzt auf gelebte Diversität. Der DEHOGA Thüringen bereitet rund 500 Auszubildende auf Berufe im Gastgewerbe vor. Die BGN entwickelt mehrsprachige Unterweisungshilfen und arbeitet an einem Chatbot, der Arbeitsschutzfragen in 25 Sprachen beantwortet.

Ein emotionaler Höhepunkt: Max-Christoph Luscher stellte „Coffee, Brownies & Downies“ vor – das erste Café in Hessen, das überwiegend Menschen mit Behinderung beschäftigt. Ein inspirierendes Beispiel für Inklusion auf dem Arbeitsmarkt.

Gewaltprävention und BEM: Schutz und Chance

Neben strukturellen Themen rückte auch Gewalt am Arbeitsplatz in den Fokus. Eine Studie von Dr. Sonja Lehmann (BGN) zeigt alarmierende Zahlen: 32 Prozent der Befragten erlebten in den vergangenen sechs Monaten verbale Aggression, sieben Prozent sogar körperliche Gewalt – meist durch Kolleginnen und Kollegen. Mit der Kampagne „Respekt fängt bei Dir an“ setzt die Compass Group auf Prävention, unterstützt von der NGG-Initiative „Wir sind TeamArbeit“.

Auch das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) wurde als Schlüssel zur Fachkräftesicherung hervorgehoben: Es hilft, Beschäftigte nach Krankheit oder Unfall wieder in den Betrieb zu integrieren.

Bürokratieabbau: Digitalisierung als Entlastung

Vor allem kleine und mittlere Betriebe leiden unter wachsenden Dokumentationspflichten. Stefan Körber vom Bäckerinnungsverband Südwest berichtete: Im Schnitt fallen 12,5 Stunden pro Woche allein für Melde- und Dokumentationspflichten an.

Dr. Stephan Fasshauer (DGUV) warb gemeinsam mit Walter Nussel, dem Bayerischen Beauftragten für Bürokratieabbau, für mehr Transparenz und digitale Lösungen – bis hin zum Einsatz von KI. Die BGN unterstützt Betriebe bereits mit praxisnahen Tools wie der digitalen Gefährdungsbeurteilung im Extranet.

Dialog statt Abbau: Sicherheit bleibt oberstes Ziel

Eines wurde deutlich: Bürokratieabbau darf nicht zulasten des Arbeitsschutzes gehen. Nur im engen Dialog zwischen Politik, Selbstverwaltung, Ländern und Wissenschaft kann die gesetzliche Unfallversicherung weiterentwickelt werden – modern, praxisnah und wirksam.