
Explosionsschutz in Backbetrieben: Wer Mehlsiloanlagen prüfen darf
Mehlsiloanlagen gehören in vielen Backbetrieben zum Alltag und stellen besondere Anforderungen an den Explosionsschutz. Durch die überarbeitete Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1201 Teil 1 wurden die Anforderungen an Prüfungen und befähigte Personen präzisiert. Das schafft mehr Klarheit für die Praxis und eröffnet Betrieben zusätzliche Möglichkeiten bei der Organisation von Prüfungen.
Wo feiner Mehlstaub auf technische Anlagen trifft, sind sichere Prüfabläufe und qualifiziertes Personal gefragt. Für Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen gelten die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die in der TRBS 1201 Teil 1 konkretisiert werden.
Die Überarbeitung der Regel bringt insbesondere für Betreiber von Mehlsiloanlagen Vorteile: Prüftiefe und Anforderungen an befähigte Personen wurden präzisiert und teilweise vereinfacht.
Wer darf Mehlsiloanlagen prüfen?
Für die Prüfung von Mehlsiloanlagen kann der Arbeitgeber nicht nur externe Spezialisten heranziehen, sondern auch eigene Mitarbeitende einsetzen – vorausgesetzt, sie verfügen über die nötige Qualifikation, Berufserfahrung und die erforderlichen Kenntnisse im Explosionsschutz. Das können etwa Betriebselektriker, Monteure des Siloherstellers oder Fachkräfte eines spezialisierten Serviceunternehmens sein.
Wichtig ist dabei vor allem das Verständnis für die besonderen Gefährdungen im Backbetrieb. Wer eine solche Anlage prüft, muss die Zusammenhänge zwischen Technik, Staubentstehung und Explosionsschutz sicher einschätzen können. Dazu gehört auch die Kenntnis der Arbeitssicherheitsinformation (ASI) 8.52 „Leitfaden Explosionsschutzdokument für handwerkliche und kleine Backbetriebe“. Das erforderliche Wissen lässt sich durch gezielte Seminare und Schulungen erwerben. Ein Sachverständigenniveau ist dafür nicht notwendig.
Praxisbeispiel: Qualifikation für den Explosionsschutz
Die EBÄKO in Oldenburg hat diese Entwicklung genutzt und ihr Angebot konsequent erweitert. Sie versteht sich als ganzheitlicher Partner für ihre Mitgliedsbetriebe und bietet längst nicht nur Rohstoffe und Maschinen an, sondern auch ein breites Spektrum technischer Dienstleistungen. Dazu zählen Jahresinspektionen, elektrische Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3, Kontrollen und Prüfungen nach Betriebssicherheitsverordnung sowie von Kälteanlagen nach Chemikalien-Klimaschutzverordnung (ChemKlimaschutzV).
Neu im Portfolio ist nun auch die Prüfung einfacher explosionsgefährdeter Anlagen (Ex-Anlagen) wie Mehlsiloanlagen in handwerklichen Backbetrieben. Möglich wurde das, weil sich zwei Servicetechniker gezielt im Bereich Explosionsschutz weitergebildet haben. Nach dem FSA-Onlineseminar „Explosionsschutz im Betrieb“ absolvierten sie zudem das Präsenzseminar der BGN „Staubexplosionen und deren Vermeidung“ in Kappelrodeck. Mit diesem Wissen können die Servicetechniker die Anlagen nicht nur warten und reparieren, sondern nun auch fachgerecht prüfen.
Konkret bedeutet das für handwerkliche Backbetriebe, die unter den Anwendungsbereich der ASI 8.52 fallen, dass die beiden Servicetechniker einfache Ex-Anlagen prüfen dürfen. Dazu gehören:
- Prüfungen vor Inbetriebnahme, nach prüfpflichtigen Änderungen und nach Instandsetzung
- technische wiederkehrende Prüfungen mindestens alle drei Jahre
- wiederkehrende Prüfungen auf Explosionsschutz mindestens alle sechs Jahre
Für Backbetriebe ist das ein praktisches Angebot mit kurzen Wegen und direktem Ansprechpartner. Gerade in einem Arbeitsumfeld, in dem technische Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Alltagstauglichkeit zusammenkommen müssen, sind solche Lösungen besonders wertvoll. Prüfungen aus einer Hand erleichtern nicht nur die Organisation, sondern schaffen auch Vertrauen.
Wissen, das Wirkung zeigt
Die beiden Servicetechniker stehen stellvertretend für einen Ansatz, der in vielen Betrieben an Bedeutung gewinnt: Weiterbildung als direkter Mehrwert für die Praxis. Wer sich mit den Anforderungen des Explosionsschutzes beschäftigt, gewinnt nicht nur Fachwissen, sondern auch Sicherheit im Umgang mit sensiblen Anlagen. Gleichzeitig profitieren die Betriebe von praxisnahen Dienstleistungen auf fachlich hohem Niveau.


